Oxidation bedeutet die chemische Reaktion von Wein mit Sauerstoff. In den meisten Faellen ist das unerwuenscht: Der Wein verliert seine frischen Fruchtaromen, die Farbe wird braun, und es entstehen sherry-artige oder essig-artige Gerueche. Winzer schuetzen ihre Weine deshalb mit Schwefeldioxid und inerten Gasen wie Stickstoff vor ungewolltem Luftkontakt.
Woran erkenne ich einen oxidierten Wein?
Ein ungewollt oxidierter Wein zeigt typische Zeichen: Die Farbe eines Weissweins wechselt von Strohgelb zu Orange oder Bernstein. Die Frucht ist verschwunden und macht flachen, madeiraartigen Noten Platz. Im schlimmsten Fall riecht der Wein nach Essig oder nassem Karton. Bei Rotweinen verblaest die Farbe am Rand zu Ziegelrot oder Braun, und die Tannine wirken trocken und leblos. Oft reicht eine schlecht verschlossene Flasche oder ein zu lang offener Wein, um Oxidation auszuloesen.
Oxidation als Stilmittel
Manche Weinstile setzen Oxidation bewusst ein. Spanischer Sherry reift unter dem Einfluss von Sauerstoff und entwickelt komplexe Noten von Mandeln, Walnuss und Brot. Der Vin Jaune aus dem Jura entsteht durch sechsjaehrige unkontrollierte Reifung im Fass und erzeugt dabei ein unverwechselbares Curry-Nussprofil. Auch Madeira und bestimmte Oxidationsweine aus Griechenland oder Portugal zeigen, dass kontrollierte Oxidation Tiefe und Komplexitaet schafft, die kein anderer Prozess erreicht.
Die Grenze zwischen Weinfehler und Weinstil ist tatsaechlich fliessend. Ein Glas Fino-Sherry oder ein Vin Jaune fordert den Gaumen auf neue Weise heraus und zeigt, wie vielfaeltig die Welt des Weins ist. Wer offen dafuer ist, entdeckt in oxidierten Weinstilen eine ganz eigene Schoenheit.









