Dekantieren und Karaffieren: Was der Unterschied bedeutet und wann es sinnvoll ist

Dekantieren bedeutet, den Wein vorsichtig aus der Flasche in eine Karaffe umzufuellen. Das klingt einfach, verfolgt aber zwei sehr unterschiedliche Ziele: zum einen die Trennung des Weins vom Dépôt, das sich bei aelteren Rotweinen am Flaschenboden absetzt. Zum anderen die Belueftung jungen, kraeftigen Weins, um Aromen zu oeffnen und Tannine zu mildern.

Dekantieren bei alten Weinen

Ein gereifter Bordeaux oder Burgunder bildet mit den Jahren ein Dépôt aus ausgefallenen Farbstoffen und Gerbstoffen. Dieses Dépôt schadet dem Geschmack nicht, wirkt aber trueb und unangenehm im Glas. Beim Dekantieren wird die Flasche mit einer Lichtquelle hinter dem Flaschenhals gehalten, bis die Trubwolke an den Hals steigt. Dann wird aufgehoert. Der Vorgang erfordert Geduld und sollte nicht zu lange dauern, da aeltere Weine empfindlich auf Luftkontakt reagieren.

Karaffieren bei jungen Weinen

Bei jungen, tanninreichen Rotweinen wie einem Rioja Crianza oder einem Barolo geht es weniger um Dépôt als um Belueftung. Der Kontakt mit Sauerstoff laesst verschlossene Aromen aufgehen und harte Tannine weicher werden. Manchmal genuegen schon dreissig Minuten in der Karaffe, um einen zugeknopften Wein zum Leben zu erwecken. Bei leichten, fruchtigen Rotweinen und den meisten Weissweinen ist Karaffieren in der Regel nicht noetig und kann sogar frische Fruchtaromen verfluchtigen lassen.

Die Entscheidung, ob Dekantieren sinnvoll ist, haengt also vom Wein, seinem Alter und seinem Stil ab. Wer unsicher ist: Probieren Sie den Wein direkt nach dem Oeffnen und nochmals nach zwanzig Minuten in der Karaffe. Die Veraenderung ist oft deutlich spuerbar.

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