Prost: Alkoholgehalt in deutschen Weinen nimmt zu

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© Wolfgang Staudt

Vor wenigen Jahren noch erhofften sich viele Winzer durch die Klimaerwärmung Vorteile für ihre Tropfen: eine längere Vegetationsperiode, dadurch mehr Zucker in den Trauben und somit vollmundigere Weine. Nun sieht die Sache anders aus: Die Weinbauern klagen darüber, dass sie steigende Alkoholgehalte nicht mehr in den Griff bekommen.
Ihm seien schon Weine mit über 17 Volumenprozent Alkohol begegnet, erzählt Sakkie Pretorius, Direktor des Australischen Wein-Forschungsinstituts in Adelaide: Selbst in Europa treffe man inzwischen solche Weine an. Es geht hier nicht um Sherry oder Port, sondern um ganz normale Tafelweine, die so viel Alkohol enthalten. "Wir analysieren nicht nur Weine aus Australien, sondern auch aus Frankreich, Deutschland, Argentinien, Kalifornien und so weiter. Wir sehen dabei einen weltweiten Trend: Der Alkoholgehalt von Weinen ist in den letzten beiden Jahrzehnten um ein bis zwei Prozentpunkte gestiegen."

Höhere Temperaturen und eine verlängerte Vegetationsperiode sind aber nicht der einzige Grund für gehaltvollere Weine. Mark Strobl, Professor für Verfahrenstechnik an der Hochschule RheinMain in Geisenheim: "Wir haben auch Jahrhunderte lang daran gezüchtet. Die Rebzüchtung, die Auswahl der Rebsorten, geht auch nach Zuckergehalt. Die Selektion der Hefen geht nach ihrer Gärleistung. Und da ist der entstehende Alkohol immer die Zielgröße gewesen. Und wir sind an einem Punkt, wo man mal überlegen muss, ob das so weitergehen muss oder kann."

Eine Wende im Weinbau ist trotz der Klimaerwärmung möglich. Das Einfachste wäre es, die Trauben früher zu lesen. Davon halten die meisten Winzer aber gar nichts, da sie dann so genannte grüne, unreife Geschmacksnoten im Wein fürchten.


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