Eiswein zum Jahreswechsel
Perfekte Temperaturen für die Eisweinlese sind derzeit angekündigt – in der kommenden Woche sollen die Werte auf minus zehn oder gar minus zwanzig Grad zurückgehen. Das Problem ist nur: Es gibt derzeit kaum noch Trauben, die gelesen werden könnten. So gut wie alle deutschen Winzer haben die ernte beendet, nur noch eine Hand voll Wagemutiger wartet ab. Aus gutem Grund: Es ist nämlich gar nicht so einfach, die Beeren zwischen September und Januar in akzeptablem Gesundheitszustand zu erhalten; was ich schon an vergammelten, angefaulten Trauben gesehen habe, spottet jeder Beschreibung. Aus so was kann man auch bei bestem Willen keinen reintönigen Eiswein erzeugen, selbst wenn die Temperaturen erheblich unter die notwendigen Werte fallen. Viele der besten Eisweine werden also eher beim ersten Frosteinbruch im November gekeltert. Späte Ausnahmen gibt es freilich immer, vor allem aus Traubensorten, die sehr dickschalig sind (wie Gutedel oder Cabernet Cubin).
Übrigens:
1. ist es ein Märchen, dass Eisweintrauben erst bei minus sieben Grad Celsius gelesen werden dürfen. Sie müssen nur gefroren sein (das ist manchmal auch bei minus 5 oder 6 Grad möglich) und mindestens das Mostgewicht einer Beerenauslese erreichen (meist 125 Ã-chsle). Grundsätzlich gilt aber die Faustregel: Je tiefer die Temperaturen, desto konzentrierter der Eiswein.
2. stimmt es natürlich nicht, dass Eisweine, die im Januar (oder gar im Februar!) erzeugt würden, schon den neuen Jahrgang auf dem Etikett tragen müssten. Auch die in den nächsten Wochen gelesenen Trauben haben, wenn ihr vergorener Ertrag auf die Flasche kommt, mit der Jahreszahl 2008 vorliebzunehmen.

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